Posts Tagged: Gesellschaft


7
Aug 10

Der Umgangston unter Menschen

Wer das Sozialverhalten der Mitmenschen beobachten will, der muss keine wissenschaftlichen Studien suchen; das shoppen am Samstag offenbart schon genügend zwischenmenschliche Defizite.
Mir ist dabei besonders der harsche und vor allem respektlose Umgangston untereinander aufgefallen.

So war ich z.B. vor einigen Wochen eine Hose kaufen und hörte neben mir in einem unangenehmen, ja schon fast befehlsartigen Ton eine junge Frau sagen: “Nein. Das kaufst du dir nicht, mir gefällt das nicht. Ich erlaube dir das nicht!”
Als ich mich umdrehte, stellte ich mit Entsetzen fest, dass es sich nicht um ein Kind, sondern um den Partner handelte.

Ein anderes Beispiel aus dem Supermarkt.
Eine sichtlich wohl beleibte Dame mit einem vollkommen überfüllten Einkaufswagen “beauftragte” ihren Mann damit, dass Auto direkt vor die Tür zu fahren.
Es war keine Bitte, wo man evtl. aus Gebot der Höflichkeit dem Partners gegenüber den Wagen holt, sondern um ein unerträglich aggressives keifen. Ein Ton, als würde man mit einem streunenden Köter reden.

Ich weiss nicht, ob die beiden Herren eine besonders devote Ader haben, oder ob sie gerne an die kurzen Leine genommen werden (soviel zum Köter) – mit mir bräuchte man so etwas nicht machen.
Beim ersten Beispiel wären wir schon getrennt, bevor ich den Laden verlassen hätte.
Beim Zweiten würde ich mit dem Auto wegfahren und die Dame könnte den Wagen nach Hause schieben, mit dem Hinweis; dass man dabei noch ein paar Kilo abnimmt.

Es ist eine Frage des Anstands wie man sich den Mitmenschen im allgemeinen gegenüber verhält. Egal ob Toilettenfrau, Chef, Lebenspartner oder Bratwurstverkäufer.

Wenn mich irgend etwas auf 100.000 bringt, dann ist es ein herrischer, respektloser und herabwürdigender Umgangston. Da blockiert bei mir alles und der Mensch ist bei mir für’s Erste durch.
An dem Punkt verliere ich den Respekt.


17
Jul 10

Neulich beim Dönermann

Neulich war ich beim Dönermann meines Vertrauens (Grill 2000) und habe mir einen Salat bestellt. Irgend etwas leckeres mit Kraut, Weichkäse und Gruken.
Während der Zubereitung drehte sich der gute Mann zu mir und sagte:

Eine Frage habe ich da noch.
Ich kenne dich ja schon etwas länger. Wie hast du es geschafft in der kurzen Zeit so viel abzunehmen? Respekt.
Kannst du mir da ein paar Tipps geben?

Daraus entwickelte sich ein druchaus interessantes Gespräch und ich fühlte mich geschmeichelt.

Vor einiger Zeit war ich am Wochenende unterwegs und habe eine Bekannte getroffen, diese kam auf mich zugestürmt:

Daniel? Bist du das?
Mensch hast du abgenommen – ich habe dich ja fast gar nicht wieder erkannt.
Sag’ mal geht es dir auch wirklich gut? Bist du dir da auch ganz sicher?
Früher hast du mir aber besser gefallen.
Du hast doch nicht etwas eine Essstörung, oder?

Danach hatte ich sofort Schuldgefühle, fühlte mich in die Ecke gedrängt und dachte:  “Warum zum Teufel muss ich mich jetzt rechtfertigen? Ich will doch nur ein Bier trinken…”


9
Jul 10

Die Sache mit dem Neid

…sag’ mal bist du Magersüchtig oder hast du eine Essstörung? Jetzt ist aber langsam gut mit abnehmen!”

Diese und ähnliche Sätze sind in der letzten Zeit des öfteren in meiner Anwesenheit gefallen, da ich in den letzten Monaten durch ausreichend Bewegung einiges an Gewicht verloren habe. Genauer gesagt an die 25kg.
Man könnte ja meinen, dass der eine oder andere sich Gedanken um mein Wohlergehen macht.

Dabei sind solche Aussagen nichts anderes als ein versteckter Ausdruck von Neid. Denn wie auch in anderen Lebensbereichen gibt es viele Menschen denen es schwer fällt einem anderen Erfolg zu gönnen.

Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.
Wilhelm Busch

Weder habe ich eine Essstörung, noch zähle ich meine Kalorienzufuhr.
Das eigentliche Problem ist, dass viele einfach keinen Blick mehr für ein “normales” Gewicht haben. Entweder haben die Leute zu viel auf den Rippen oder viel zu wenig. Extreme in beiden Richtungen.
Ein Freund von mir hat es etwas drastischer Ausgedrückt, als er aus seinem Israel Urlaub wieder gekommen ist:

Kaum bin ich hier gelandet, merkt man erst einmal wieviele dicke Menschen es in Deutschland gibt. Ich habe gedacht hier ist Fetthausen.

Zugegeben eine etwas direkte Aussage, an der leider etwas wahres dran ist. In keinem anderen europäischen Land gibt es so viele Übergewichtige Menschen.
Früher hat man sich über die USA lustig gemacht, heute stehen wir dem im nichts nach.

Wir haben ein Konsumproblem in Deutschland. Aber wem wundert das bei Aldi, Lidl und Co.?  All You Can Eat Angebote sind in Ländern wie Frankreich, die viel Wert auf gutes Essen legen, eine Perversion.

Ich bin selber der Meinung, dass jeder Mensch so leben soll wie er mag. Fühlt sich jemand mit seinem Übergewicht gut und hat kein Problem damit, dann ist das auch gut so.
Nur anscheinend ist dem nicht immer so, sonst würde einem nicht ständig der Neid entgegen schlagen.


9
Jun 10

Das Apple Fanboy Datingportal Cupidtino hat eröffnet

Man könnte meinen, dass es im Internet schon zu jedem Thema und zu jeder Vorliebe eine Datingseite gibt.
Falsch gedacht.

Jetzt ist Cupidtino.com online.
Eine Datingseite ausschließlich für Applefans.

Auf der offiziellen Seite heisst es:

Cupidtino is a beautiful new dating site created for fans of Apple products by fans of Apple products. Why? Diehard Mac & Apple fans often have a lot in common – personalities, creative professions, a similar sense of style and aesthetics, taste, and a love for technology.

We believe these are enough fundamental reasons for two people to meet and fall in love, and so we created the first Mac-inspired dating site to help you find other Machearts around you.

Etwas für die Fanboys – die ihre Partnerin nach Rechner, iPhone und iPad aussuchen wollen. Obwohl man ja nie wissen kann, ob überhaupt eine Lebensabschnittsgefährtin gesucht wird.

Bei so manch übertriebener Liebe zu seiner neusten Apple Errungenschaft, könnte sich Cupidtino.com auch zu seiner Seite für Menschen mit einem Objektophilie Fetisch entwickeln.

Da bekommt das Wort iLife eine ganz neue Bedeutung…

Anmerkung: Objektophilie ist Fachbegriff für Menschen, die sich in einen Gegenstand verlieben oder sogar Sex mit ihm haben.


24
Mai 10

Ich habe abgenommen und bin ein Menschenhasser

Innerhalb einem Jahres habe ich das geschafft, was ich eigentlich nie für möglich hielt: Ich habe an die 25 KG abgenommen.
Man fühlt sich schon geschmeichelt, wenn dann einem die Leute auf die Schulter klopfen und ihren Respekt zollen.

Allerdings haben die Kommentare immer öfters einen Unterton, bei dem Neid und Missgunst mitschwingt oder mir werden Fragen gestellt, bei denen ich das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen (wie schon in einem älteren Artikel beschrieben).
Ob das noch alles „normal“ sei,  ob ich nicht ein wenig mit dem Sport etc. übertreibe. Ja sogar, ob ich auch genügend essen würde (letztere Aussage erinnert mich an meine Oma, die Angst hatte, man würde verhungern – Nachkriegserlebnisse).
Damit kann ich gut leben.

Nur wenn ich auf die Frage  „wie hast du das geschafft so viel abzunehmen?“ antworte:

Konsumverzicht. Das Konsumverhalten ist das größte Problem bei in unserer Gesellschaft. Die Menschen wollen alles haben, sie gönnen den anderen nichts und sie haben den Blick für das Wesentliche verloren.

Bescheidenheit ist ohnehin ein Fremdwort für die Meisten.
Viele verstehen nicht, dass dieses indirekt im Zusammenhang mit Übergewicht steht… Das Meiste sind Wohlstandsbäuche.

Manchmal denke ich, es muss hier einmal so richtig den Berg herunter gehen, damit die Menschen mal wieder klar kommen und ihnen bewusst wird, dass sie Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt haben.

schlagen einem ganz andere Reaktionen entgegen.
Man wird gleich als Neider und Missgönner dargestellt. Man sei ein Eigenbrödler, gönne den anderen doch nichts.
Als Menschenhasser, Verschwörungstheoretiker und Psycho wurde ich auch schon bezeichnet.
Komisch sei ich ja schon immer gewesen…

Inzwischen weiss ich eines ganz sicher:
Gegen Übergewicht kann man etwas machen, bei Dummheit wird es schon etwas schwieriger…


2
Mai 10

Flirten 2.0 – Wo ist die Grenze?

Wenn man sich in sozialen Netzwerken, Chaträumen oder in Foren bewegt, kommt es sehr schnell zu engeren Kontakt mit anderen Usern.
Es wird auch sehr häufig öffentlich geflirtet oder es werden nette Komplimente verteilt, die schmeicheln sollen.

Alles Dinge, die sicherlich als “normal” zu bezeichnen sind, so lange man klar zu verstehen gibt, wo die Grenzen sind oder das vieles einfach mit einen gewissen Augenzwinkern zu betrachten ist.

Intensiviert sich allerdings der Kontakt in Form von privaten Chats oder Nachdichten, so wird häufig heftig weiter geflirtet, was das Zeug hält. So zu sagen hinter vorgehaltener Hand.
Das sei jeden User gegönnt… solange er nicht in einer Beziehung lebt.

Oder doch nicht?
Schließlich spielt sich alles (erst einmal) rein virtuell ab. Kopfkino.

Wenn ich ein erotisches Buch lesen würde, dann käme kaum ein Mensch auf die Idee, dass ich meinem Lebenspartner untreu bin.
Wobei der Unterscheid sicherlich darin liegt, dass mit einem Buch kein interaktiver Austausch stattfindet.
Wo werden im Internet Grenzen überschritten, die für eine real existierende Beziehung problematisch werden? Wo fängt der Betrug am Partner an?

Es gibt die katholischen Gebote: Du sollst nicht sündigen in Gedanken, Worten und Werken. Aber die Form des Betrugs durch Gedanken, vor der ist ja niemand frei.
Alfred Pritz in der Welt am Sonntag vom 28.10.2010

Alfred Pritz wurde zu diesen Thema in der aktuellen Welt am Sonntag interviewt und kam letzten Endes zu dem (ach so überraschenden) Entschluss, dass der Mensch letzt endlich selber entscheidet und immer den Stecker ziehen kann.

Ab wann werden Kontakte im Internet problematisch für eine Beziehung?

Weiter führende Links
Interview mit Alfred Pritz in der Welt am Sonntag: “Betrügen ja, vernachlässigen nein”


15
Apr 10

Über Facebook, StudiVZ und Attention Whores

“Wer braucht denn das? Ich unterhalte mich lieber im realen Leben mit den Menschen als im Internet…”
Solche oder ähnliche Sätze konnte ich mir Ende der 1990er Jahre anhören, als ich mich mit Freunden über die von mir besuchten Chats unterhalten habe.

Heute hält man sich lieber in so genannten Social Networks wie Facebook, MySpace, StudiVZ und so weiter auf.
Was sicherlich sehr praktisch sein kann, wenn der Kontakt zu weit entfernten Freunden aus dem In- und Ausland aufrecht erhalten werden soll.

Wenn da nur nicht dieser Drang zur Selbstdarstellung wäre, gerade der Leute die Anfangs mit solchen Diensten nichts anfangen konnten, geschweige denn bis heute wissen was Social Networks oder das Web 2.0 genau sind (von dem was das heisst, wollen wir hier mal gar nicht sprechen).
Mir sind selber schon Leute begegnet, die nicht in der Lage waren eine eigene E-Mail zu verfassen, sich aber mit StudiVZ bestens auskannten. An für sich ein Widerspruch in sich – aber Hauptsache man ist drin…

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