Archives for category: Geschichten

90s

 

Den Großteil meiner Jugend verbrachte ich in den 90er Jahren und im Nachhinein gesehen bin ich einfach ein Kind dieser Zeit gewesen. Ich hörte Metal, Alternative, etwas Grunge, besuchte Independent Diskos, Konzerte, schaute Sonntag spät Abends MTV’s Headbangers Ball und träumte davon mit Freunden eine eigene Band zu gründen.
Erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, wenn man bedenkt das die 90er schon fast 20 Jahre zurück liegen und trotzdem kommt es mir so vor als wenn das alles erst gestern gewesen wäre.

Diese ganzen Erinnerungen kamen hoch, als ich vor einigen Tagen meine (angestaubte) CD Sammlung begutachtete und dabei kam mir noch ein Gedanke: Irgendwie sind Anfang bis Mitte der 90er Jahre, gerade im Rock und Independent Bereich,  wirklich sehr viele verdammt geile Musikalben auf den Markt gekommen. Einige davon kann man inzwischen getrost als Meilensteine bezeichnen.

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Lichtburg

Als ich noch ein Kind war, gab es in meinem Heimatort nur ein richtiges Kino, der Saal war mit in rot gehaltenen Plüschsesseln bestückt und gegen Aufpreis konnte man noch richtige Logenplätze buchen.
An den Wänden hingen elegant aussehende Lampen in Gold, die Leinwand war vor der Aufführung durch einen Vorhang verdeckt und öffnete sich erst zu Beginn des Films mit einem Gong. Besonders stark in Erinnerung ist mir der Geruch geblieben, welcher im Kinosaal herrschte.

Im Laufe der Zeit war das Ende des Kinos abzusehen und wurde zusehends vernachlässigt. Trotzdem hatte es bis zum Tag der Schließung einen Charme, den bis heute kein Cineplex Center oder dergleichen bieten kann. Man kam sich vor wie in einem Theater.
Genau das ist der Grund, warum ich heute ungern in Kinos gehe: mir fehlt das besondere Ambiente, der Charme und die Atmosphäre eines Lichtspielhauses.

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Ende der 90er Jahre leistete ich Zivildienst in einem Altenheim ab. Anfangs war es meine Aufgabe die Bewohner ein wenig zu belustigen, nachher hatte ich die Ehre (und das meine ich jetzt nicht ironisch) bei der Pflege mitzuhelfen.
Im Nachhinein war es eine der schönsten Tätigkeiten in meinem Leben, ich war der Hahn im Korb bei den Kolleginnen und ein Großteil der Senioren fand es einmal ganz angenehm von einem jungen Mann gepflegt zu werden.

So war es auch bei Herrn H., der immer einen auf dick Kumpel machte und so tat, als wäre er der beste Freund des Zivis.
Wenn ich beim Frühdienst in sein Zimmer kam, bat mich Herr H. immer zuerst die zahlreich im Bett verstreuten Taschentücher wegzuräumen.
Abends beim zu Bett gehen bekam er von mir immer eine frische Flasche Apfelsaft auf‘s Nachttischchen gestellt und die heilige Urinflasche ins Bett gelegt.
Zu guter Letzt musste der Fernseher immer eingeschaltet werden und zwar auf irgend einen bestimmten privaten Sender.
Er konnte diese Dinge nicht selbstständig machen, da er im Rollstuhl saß.

Es kam nicht selten vor, dass sich Herr H. über die Pflege beklagte: sie würden ihm nur ungern Abends den Saft bringen, irgendwelche Anmerkungen machen, dass er bis tief in die Nacht TV schaue und selten die Urinflasche leeren. Deshalb hätte er schon das eine oder andere mal ins Bett gemacht.
Besonders schlimm sei es bei den Pflegerinnen und wollte deswegen immer gerne von mir wissen, wer gerade Nachtdienst hat.
Ich konnte seinen Ärger verstehen.

So ging es einige Zeit, bis ich dann irgendwann bei einer Dienstbesprechung dieses Thema ansprach und aufgeklärt wurde:

“Daniel, Herr H. ist ein wenig link und hat sich sehr schnell unbeliebt bei der weiblichen Nachtwache gemacht.

Er will am Abend immer den Apfelsaft haben, um diesen Nachts in die Urinflasche zu füllen. Dann klingelt er und wartet darauf, dass hoffentlich die Nachtschwester kommt, um die Flasche zu leeren.
Wenn sie nicht kommt, uriniert er ins Bett und dann muss sie ja kommen.

Wenn sie wieder fort ist, schaltet er auf einen Privatsender, um sich angeregt bei einem Softporno zu stimulieren.”

Jetzt war mir klar, warum jeden Morgens im Bett so viele Taschentücher lagen…