
Gesagt getan. Nach kurzer Zeit hatte ich Kontakt zu einer Dame hergestellt, die sehr großes Interesse an mir zeigte.
Die anfänglichen Telefonate liefen prima, wir verstanden uns hervorragend und machten einen Termin aus, um gemeinsam Plätzchen zu backen – es war Weihnachtszeit.
Da viele Menschen zu dieser Zeit wohl ohnehin sehr emotional reagieren, war X. ganz schnell bei der Sache:
Ich sei einer der bemerkenswertesten Menschen, die sie je kennengelernt hat. Man könne sich mit mir so prima Unterhalten, das sei schon magisch. Und so weiter und sofort.
„Etwas voreilig die Dame, was?“, dachte ich mir.
Meine Skepsis wurde von Tag zu Tag immer größer, denn X. erzählte mir von ihren zahlreichen anderen Begegnungen im World Wild Web und das sie manchmal morgens von einem früheren Verehrer via Telefonanruf geweckt wird. Das sei aber nicht so schlimm, schließlich habe sie ihm ja immer unerfüllte Hoffnungen gemacht.
„Na super. Bitte nicht so eine Psychotante!“
Eines Tages saßen wir gemeinsam bei ihr vor dem Rechner und als ich im Browser eine Adresse eingeben wollte, sprang die so genannte Autovervollständigung auf und mir wurden zahlreiche Vorschläge zu www.poppen.de gemacht. Man muss jetzt nicht genauer erläutern, um was für eine Seite es sich hierbei handelt.
Da stellte ich X. natürlich direkt die Frage, was sie denn auf solchen Seiten suchen würde.
„Daniel kennst du die Seite etwas nicht? Du warst dort noch nie angemeldet?“
„Nein, aber um was es sich hierbei handelt, ist mir schon klar…“, gab ich zur Antwort.
Mein Misstrauen war dabei nicht zu übersehen.
„Ach, dass hat nichts zu bedeuten. Ich bin dort mit einer Freundin angemeldet, wir machen uns einen Spaß daraus, wenn uns die ganzen Typen ihre Nacktbilder zusenden…“
Ich dachte, dass ich nicht richtig höre und fragte noch einmal nach.
„Ja. Glaube mir, es hat nichts zu bedeuten. Mein Bruder ist dort auch angemeldet und der ist sogar verheiratet…“
Mein erster Gedanke: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…“
Als ich später Zuhause war lies ich mir das ganze noch einmal durch den Kopf gehen und dachte mir dann:
„Junge, willst du dich verarschen lassen? Das glaubt doch kein Mensch!“
Also meldete ich mich auf der besagten Seite an und fand recht schnell ihr Profil. Welches so offensichtlich war, dass die Theorie von der Freundin absolut nicht passte.
Ich empfand Ekel.
Daraufhin fragte ich einen Freund von mir, was er von dieser Sache nun hielt und er kam aus dem lachen nicht mehr heraus.
Wäre da nur nicht dieser verletzte Stolz und das widerliche Gefühl an der Nase herumgeführt worden zu sein.
So stellte ich bei der nächsten Gelegenheit X. zur Rede und ganz nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ legte sie dann los:
„Daniel, du siehst Gespenster. Das hat doch alles nichts zu bedeuten. Du spionierst mir hinterher. Du bist krank und siehst Phantome!“
X. versuchte die ganze Zeit den Spieß umzudrehen, um mich als einen verrückte dastehen zu lassen. Das wurde mir dann zu bunt und legte einfach auf.
Ich meldet mich nie wieder.
Was ist die Moral der Geschichte?
Sei vorsichtig bei Menschen (aus dem Internet?), die dir gleich den Honig um den Mund schmieren und deaktiviere immer die Autovervollständigung im Browser.
[Bild von Sean & Laurenn auf FlickR unter der CC BY 2.0 Lizenz]
Neben vielen interessanten, einigen durchgeknallten und wenigen wirklich netten Menschen habe ich im Internet (bzw bei Twitter) meinen Schatz kennen gelernt.
Schon allein dafür hat es sich gelohnt, jemals das Internet angeschaltet zu haben
Aber Deine Geschichte ist schon krass, ich verstehe dein Misstrauen gegenüber Internetdates und hätte selbst auch nicht wirklich gedacht, dass ich dort einen so tollen Menschen kennen lerne.
Der Artikel war ja mit ein wenig Humor geschrieben.
Ich sehe das alles nicht so ernst, auch wenn man anfangs angep…t ist.
Es kommt eben wie es kommt.
Eine Anekdote eben.
Tja das Leben schreibt die schönsten Geschichten, auch wenn es im Internet ist
interessante Geschichte..so kann es gehen:-)
aber..
nicht alle Kontakte aus dem Netz müssen so enden..!
Habe ich auch gehört