Im Laufe der Zeit habe ich die Feststellung gemacht, dass der Begriff Schickeria des öfteren auf Twitter zutrifft.
Die Schickeria (von Italienisch sciccheria = Schick, Eleganz und jidd./jüd.-dt. „schickern“ = „trinken, sich betrinken“) ist eine spöttische Bezeichnung für das Szenepublikum, dessen Party-Eskapaden durch den Boulevardjournalismus der breiten Öffentlichkeit zugetragen werden.
(Wikipedia.de)
Das selbsternannte Szenepublikum, welches über die neusten Gimmicks twittert, anscheinend immer die Sonnenseite des Lebens genießt und keine anderen Sorgen hat, als das iPhone oder der Hochglanz polierte Mac.
Wenn eine Katastrophe droht, dann ist es meistens eine derjenigen, dass man anstatt dreimal nur zweimal pro Jahr im Urlaub fahren kann.
Das elitäre Gehabe und denken kommt meistens dann zum Vorschein, wenn zur gemeinsamen Entspannung Sendungen wie z.B. Frauentausch, Bauer sucht Frau und dergleichen geschaut werden.
Im naiven glauben, dass dort das wahre Leben der Unterschicht und Hartz IV Empfänger stattfindet; amüsiert man sich genüsslich getreu nach dem Motto: Eure Armut kotzt mich an.
Anfang 2009, nach den Wahlen im Iran und den daraus resultierenden Aufständen, war es “modern” sein Avatarbild grün einzufärben. Hauptsache, man erweckte den Anschein ein Wohltäter der Unterdrückten zu sein.
Schon lange sieht man keinen blanke Schimmer mehr von den grünen Gesichtern. Der nächste Cybertrend für die Cyberaktivisten wartet schon, um wieder ganz vorne dabei zu sein.
So besäuft man sich an den eigenen Wohltaten und Errungenschaften in der Öffentlichkeit.
Tags: Internet, Schickeria, Twitter, Web 2.0
Hi Pooly
Du gehst ja hart mit uns ins Gericht! Ich kann einen ganzen Teil nachvollziehen, aber einen Großteil nicht für mich annehmen.
Nehmen wir die Grünfärberei oder die grünen Schleifen: Auch ich habe lange eine grüne Schleife im Avatar gehabt und habe damit gehofft Leute neugierig zu machen. Sie sollten sich einfach für das Thema interessieren. Ob das was gebracht hat, kann ich nicht sagen. Ich fand es besser, als gar nichts machen.
Die Bauer-sucht-Frau Geschichte: Geht mir ähnlich: Ich halte diese und ähnliche Sendungen für völlig bescheuert, aber ich denke, dass ich nicht das Recht habe, das für andere zu entscheiden. Seltsamer Weise gucken einige Leute diese Sendungen regelmäßig, die ich für ziemlich intelligent halte. Ich weiß nicht warum, ist aber halt mal so.
Was nervt, ist die Twitter-Elite oder was sich so dafür hält. Aber da ich denen nicht folge, kriege ich sogut wie nichts von deren Ergüssen mit, ist mir also egal.
Ich mache es, wie ich es eigentlich dast immer so mache: Leben und Leben lassen.
lg Markus
@SweetLady25:
Is schon klar – Danke für diese wichtige Erkenntnis!
Hm, den Artikel hier habe ich tatsächlich erste heute gefunden… Und das obwohl ich ja regelmäßig bei dir vorbeischaue…
Prinzipiell gebe ich dir aber Recht, nach dem ich ja nun auch einige Monate bei Twitter Erfahrungen sammeln konnte gibt es durchaus einiges das mich nervt und ich am Anfang nicht so gesehen habe.
Bei Twitter bin ich eigentlich nur deswegen noch weil es nach wie vor sehr viele Informationen gibt die ich sonst so nicht mitbekommen würde.
Ein Community Gedanke ist bei mir allerdings nicht mehr vorhanden.
Gruß
Mario
@Pooly: Was das elitäre Gehabe betrifft, gebe ich dir recht. Der zweite Kommentar hat sich rein auf SweetLady25 Kommentar bezogen.
@SweetLady25 & @Looka:
Es ging ja nicht darum, ob irgendwelche Menschen irgend einen falschen Bezug zur Realität haben.
Sondern um das oftmals elitäre gehabe,
@SweetLady25: Wer bist du um zu bestimmen was normal ist? Darüber zu richten, wer ein gestörtes Leben hat und wer nicht. Mit Begriffen spielen, die so leicht falsch verstanden werden können. Dinge, die Menschen dazu bringen, sich in dieser Welt nicht mehr wohl zu fühlen.
Twitter kann genauso real sein, wie ein Telefonat mit einem Freund. Ein Brettspiel ist virtuell. Ein Computerspiel ist virtuell. Eine Geschichte kann virtuell sein. Von unwirklicher, scheinbarer, nicht tatsächlicher Form. Von einem Computer simuliert. Doch bei Twitter bin ich ein Mensch, der existiert. Der ein für ihn normales Leben führt. Willst du mir die Existenz aberkennen? Ich sei virtuell? Nur eine Erfindung?
Wenn mein “Real-Life” gestört ist, so gehört Twitter dazu, aber auch meine Arbeit, mein Studium, meine Freunde. Das alles soll gestört sein?
wer viel zeit für twitter hat hat auch ein gestörtes real life.
Ein guter Artikel. Gut weil ich mich vor mir selbst ekle, es mir zugleich sauer aufstößt und ich mir nicht sicher bin, ob ein Kommentar irgendetwas bringt.
Mein Avatar war grün. Ich bin nächtelang vor dem Computer gesessen habe Informationen aus dem Iran zusammengetragen und weitergepostet, ich habe mich mit anonymen Netzwerken auseinandergesetzt und versucht einen Proxy aufzusetzen, woran ich gescheitert bin. Habe Regierungen angeschrieben und darüber gebloggt. Ja, ich hätte mehr tun können, doch das kann man immer. Die grünen Avatare haben mich unter anderem darauf aufmerksam gemacht. Ich schaue immer wieder auf http://iranelection.soup.io/ und bringe das Thema hin und wieder auf.
Zu den Fernsehdingen kann ich nichts sagen, da ich keinen Fernseher besitze.
Ich finde es aber falsch, dass man sich nicht am Leben erfreut, weil die Welt nicht so ist, wie man glaubt, dass sie am besten ist. Es gibt viele Idioten auf Twitter, es gibt viele nette Menschen. Verschiedene Welten treffen aufeinander. Ich leide mit ihnen und freue mich, wenn es ihnen gut geht. Bei den Menschen die ich mag und ich versuche es auch bei den anderen.
Was hier fehlt ist neben der Kritik eine Alternative zum Jetzt. Ich warte.
Geiler artikel. Hab zwar nie mein Avatar grün gefärbt und “bauer sucht…” schau ich ned, aber ich lese oft von den neuen gadgets hier auf twitter. Ich finde das praktisch, so ist man immer informiertwas gerade IN ist…
hmm..
wirklich interessanter artikel.. und einige sehr interessante ideen und punkte.
ich weiß nicht genau ob ich mich angesprochen fühlen sollte oder nicht, aber auch wenn ich gerne die oben genannten rtl sendungen ansehe (und das auch, wie du korrekt sagst, über twitter mit anderen leuten kommentiere), heißt das für mich nicht, dass ich sonst sorgenfrei leben und den bezug zur realität dermaßen verliere, dass ich das im fernsehn gezeigte nicht richtig einschätzen kann und mich über “armut” lustig mache.
dass das web 2.0 äußerst schnelllebig ist (betreffend der grünen avataren zur iranwahl) merkt man auf twitter besondes, da dort trends (tending topics) richtig gepusht werden. man kann ihnen quasi gar nicht entgehen.
schwer das richtig einzuschätzen…
aber der begriff schickeria hat für mich etwas damit zu tun, dass man sich selbst (wenn man dieser schickeria zugehört) als etwas besseres sieht als die anderen.
und das tu ich nun mal garnicht