Vor vielen, vielen Jahren bin ich immer mit meinen Kumpels losgezogen und wir haben uns regelmäßig was hinter die Binde gekippt. Bier, Spirituosen, was auch immer – Hauptsache es hat ordentlich geknallt bevor es erst richtig los ging.

Der Tag danach war hart, aber was hilft am besten beim Kater? Das Konterbier. Dann erst einmal ordentlich Fastfood und gegen Abend ging es dann wieder weiter – schließlich ist Wochenende und da muss was los sein.

Party (Hamburg, 2004)

In dieser Zeit haben wir wirklich viele verrückte Sachen erlebt, verdammt viel Spaß gehabt und jede Menge Menschen kennengelernt. Aber so gut wie immer im Zusammenhang mit Alkohol. Ich kannte wirklich niemanden der gar nichts getrunken hat. Der Alkohol für uns einfach allgegenwärtig. Wer macht sich da schon Gedanken um seine Gesundheit?

Die schleichende Wende

Zu dieser Zeit war ich wirklich nicht schlank, geschweige denn sportlich. Aber 2009 wollte ich dann unbedingt abnehmen, was mir durch das Laufen und einer schon fast radikalen Ernährungsumstellung auch gelungen ist.

Ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass Alkohol und Sport nicht zusammen passen. Von da an habe ich meinen Alkoholkonsum auf vielleicht zwei Bier in der Woche heruntergeschraubt. Wenn mal eine Party stattgefunden hat, ist es etwas mehr geworden, aber ich bin immer früher abgehauen weil ich auf das Saufen einfach keinen Bock mehr hatte. Zeitgleich sind viele Kontakte von damals immer weiter eingeschlafen. Diesmal war das Laufen allgegenwärtig.

Die liebe Leber

Irgendwann war ich beim Arzt und hat mir empfohlen, mit meinen 40 Jahren einen allgemeinen Checkup zu machen. In der anschließenden Besprechung stellte sich heraus, dass ich eigentlich topfit bin, aber die Leberwerte alles andere als gut sind. Ich wurde ermahnt überhaupt keinen Alkohol zu trinken, was mich dann doch etwas nachdenklich gemacht hat.

Wie gesagt habe ich zu dieser Zeit wirklich wenig getrunken, nur an so lauen Sommerabenden oder am Strand im Urlaub war mir hin und wieder nach einem kühlen Bier. Komplett verzichtet habe ich also nicht, die schlechten Leberwerte waren für mich ein Resultat der Vergangenheit, was auch nicht ungelogen ist. Nur wenn man trotzdem hier und da ein Gläschen zu sich nimmt wird es nicht besser.

Bierchen in der Sonne (Tirol, 2021)

Der komplette Verzicht

Am 02.01.2022 habe ich mich dann endgültig dazu entschieden komplett auf Alkohol zu verzichten. Schwergefallen ist es mir überhaupt nicht. Wenn mir mal nach einem Bier ist, trinke ich halt etwas alkoholfreies. Fertig.

Inzwischen kann ich Alkohol auch überhaupt nichts abgewinnen. Ich verurteile niemanden der etwas trinken will, aber ich kenne immer noch Leute die munter weiter machen wie früher. Gerade mit über 40 ist meine Angst viel zu groß, dass sich so ein Lebensstil irgendwann rächen wird.

Mich nervt es unglaublich wenn mir jemand Alkohol aufzwingen will. Ich habe schon erlebt, dass mir einfach eine geöffnete Bierflasche unter die Nase gestellt wurde, obwohl nichts wollte. Mit solchen Situationen habe ich aber gelernt umzugehen und lasse das Bier einfach stehen oder kippe es weg.

Es muss sich jeder mal fragen, warum Alkohol immer noch so eine Selbstverständlichkeit ist. Ich glaube jeder kennt mindestens einen Alkoholiker oder jemanden der ein ernsthaftes Problem mit dem Zeug hat.

Billiger Sprit (Bremen, 2005)

Mein vorläufiges Fazit

Je länger ich auf Alkohol verzichte, desto weniger habe ich das Bedürfnis etwas zu trinken. Ich fühle mich tatsächlich noch einmal etwas gelassener und einfach „cleaner“. Alkohol ist nun einmal ein Stoff, der etwas mit dem Körper macht.

Die Leber ist eines der wenigen Organe, die sich bei einem entsprechenden Lebensstil quasi selbst heilen können. Außer man hat sich die Leber schon komplett weg gesoffen. Meine Werte dürften sich schon deutlich verbessert haben, aber ein Arztbesuch mit einer konkreten Diagnose steht noch aus.

Natürlich gibt es Menschen die fröhlich weiter machen und 90 oder 100 werden, nur sind jährlich 74.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Alkohol nicht wegzudiskutieren.

Leseempfehlung

2 thoughts on “Ohne Alkohol

  1. Hi Daniel, als erstes a riesen Lob an deine Seite / Arbeit!
    Viele deine Beiträge sprechen mir aus der Seele.
    Weiter so!
    Thema Alkohol (A.)+Sport! (kurze Zusammenfassung von meinen Erfahrungen )
    Bin 42Jahre 68kg 1,70m
    Laufe eigentlich seit 15 Jahren aber nie konsequent mit zu langen Pausen dazwischen und ohne Interesse besser zu werden, Routineläufe – hab halt was gemacht und das ist gut so…wozu mehr!
    Feiern/ A./ Freunde waren natürlich viel wichtiger als Sport / Gesundheit
    Folge: Übergewicht / zu oft schlecht gelaunt/ schlechte Leberwerte/ Unzufriedenheit mit mir selbst + Vorbelastung durch die Eltern mit Hypertonie / Zucker usw.
    Seit 01.012022 absolutes Verzicht auf Alkohol.
    Veränderungen körperlich:
    Nach 6 Wochen fast 10kg runter von 86( Weihnachtsspeck ) auf 78 ohne wesentlich mehr Sport zu machen als vorher.
    Schlafe wie ein Baby!
    Blutwerte + Leberwerte Top (wieder mal:-)
    Bin spürbar fitter und belastbarer geworden.
    Veränderungen Sportlich:
    von 5km Standardlauf 1-1,5x pro Woche ( war immer sehr anstrengend 7-8 Pace mit Gefühl sterben zu müssen) auf 4×10-12km pro Woche 5-6 Pace ,kann dabei noch reden und lachen und habe tatsächlich Megaspaß dabei.
    Anfang Sommer mit Speedhikin begonnen !
    Es läuft besser und besser! Am Sonntag in der Steilwand von Hochstaufen 1300m unter 2 Std Aufstieg und 1:10 im Abstieg (mein persönlicher Erfolg)
    Kommende Sonntag Trail Halbmarathon…. mal schauen ob die Reise unter drei Std. liegt 🙂
    20km auf Straße hab ich schon hinter mir weit unter drei Stunden
    Hab durch mehr Sport noch ein mal 10 kg verloren!
    Aktuelles Ziel für dieses Jahr Watzmannüberschreitung an einem Tag.
    Mentale Veränderungen:
    ungefähr nach einem Monat ohne A. hat sich ein extremer Bewegungsdrang in mir breit gemacht!
    So energiegeladen wie im Februar 2022 war ich gefühlt seit hundert Jahren nicht mehr.
    Plötzlich ein Feuerwerk im Kopf aus Ideen und Zielen!
    Sachen die mir vor Dreivierteljahr als unerreichbar erschienen sind auf einmal zum greifen nah!
    Glückliche youtube Bergsteiger/ Runner sind doch nicht so weit weg von mir wie ich immer dachte.
    Gefühlt hat A. einen Antrieb in meinem Kopf blockiert und jetzt ist die „Blockade“ weg und ich hoffe die kommt nie wider.
    Bin jetzt viel ruhiger und gelassener geworden.
    Arbeite hart an meinen Zielen.
    Die mentale Arbeit an mir selbst strengt mich nicht an sondern bereitet mir Spaß und gibt mir in erste Linie innere Ruhe.
    Was ich eigentlich sagen wollte: ich führe keine Propaganda des Verzichtes, jeder kann und soll das machen was man für richtig hält.
    Aber wer verzichten möchte oder darüber nachdenkt sollte das tun, ich kann durch meine eigene Erfahrung nur positives berichten.
    Mein Lebensqualität ohne A. hat sich in allen meinen Lebensbereichen um einiges verbessert und das möchte ich nicht mehr vermissen.

    P.S. ein neutraler Punkt möchte ich doch noch erwähnen:
    Mein Freundeskreis/ Bekanntenkreis hat sich im Luft aufgelöst…
    Aus 10 sind 1,5 geblieben.
    Ich sehe das aber nicht negativ sondern neutral:-), ich denke da hat Alkohol mehr verbunden als die Freundschaft!
    …nein Leute, ich mache nicht zu viel Sport!
    …nein Leute ich hab nicht ungesund abgenommen!
    …nein Leute ich bin nicht introvertiert, sondern ausgepowert durch Sport
    …nein Leute, ich sehe nicht krank aus sondern hab 11% Fett am Körper und trage S-M statt XL!
    …nein, ich bin nicht krank im Kopf wenn ich am Sonntag um sechs in der Früh auf Hochfelln laufe,
    Fühle mich momentan sehr gut/ gesund/ und voller Tatendrang und das einzige was ich wirklich bereue : warum nicht früher…
    Wünsche allen in diesem Vorhaben viel Erfolg!
    Ihr seit auf dem richtigen und besseren Weg!
    VG an alle und einen schönen Tag noch!
    Sigi

    1. Hey Sigi,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Sorry vorab für die verspätete Antwort meinerseits.

      Ich kann dir natürlich in allen Punkten zustimmen. Interessanterweise bin ich auch ein „Routineläufer“, aber ich brauche diese Routine um immer weiter zu machen. Mein Ziel war und ist es immer noch in Bewegung zu bleiben. Das ist für mich das A und O.

      Ich bekehre auch niemanden. Das Leben soll ja Spaß machen, aber kann es auch ohne Alkohol. Ab und an, wenn die Sonne so herrlich scheint, habe ich das Verlangen so ein richtig kühles Blondes zu verschlingen, aber ich trinke dann ein alkoholfreies Bier und es schmeckt genau so gut.

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