Einmal kurz wieder klar kommen: 5 Tage Lanzarote im Winter

In den letzten Wochen hatte ich ein richtiges Tief und das Gefühl vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Mein eigentlich sehr stabiles Immunsystem ist in den Keller gegangen und obendrauf habe ich auch noch eine Magen-Darm Verstimmung bekommen.

Am Montag war ich körperlich so halbwegs wieder hergestellt, meine innere Unruhe machte mir aber viel mehr zu schaffen. So bin ich vollkommen planlos durch die Stadt gelaufen und stand plötzlich vor einem Last-Minute-Reisebüro. Ohne groß nachzudenken bin ich hineingegangen und habe gesagt:

Wie Last-Minute seid ihr? Ich muss dringend für ein paar Tage weg in die Sonne. Sonst drehe ich durch!

Dienstag Mittag saß ich bei Temperaturen um die 22 Grad an der Costa Teguise auf Lanzarote. 5 Tage sind keine lange Zeit, aber ich habe die Zeit genutzt um die Insel ein wenig zu erkunden und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen…

 

Mit dem Fahrrad über Arrecife zur Playa Honda

 

Zunächst einmal habe ich mir für 10€ bei Planet Bikes (kann ich nur empfehlen) ein Fahrrad geliehen und bin entlang der Küste bis zur Playa Honda gefahren. Im Sommer ist es dort sicher überlaufen, in den Wintermonaten hat man den Strand für sich und bekommt in den beiden Tapas Bars Casa Tere und La Caleta wirklich gut gemachte Speisen.

Auf dem Weg liegt die Hauptstadt Arrecife, auch hier gibt es natürliche zahlreiche Cafes zum verweilen oder zahlreiche Shopping-Möglichkeiten (sofern die Fahrradtasche groß genug ist). Wer will kann gleich weiter bis nach Puerto del Carmen fahren. Mit zahlreichen Stopps hat mir die Strecke bis zur Playa Honda für den Tag gereicht.

 

Laufen über den Montana Tinaguache

Selbstverständlich hatte ich meine Laufschuhe eingepackt und bin einfach ein paar Kilometer in das Hinterland gelaufen. Plötzlich lag der Montana Tinaguache vor mir und ich wollte den Berg unbedingt hochlaufen, dass jahrelange Training über den Coesfelder Berg sollte sich mal endlich bezahlt machen. Bis zur Bergspitze habe ich es allerdings nicht geschafft… falsches Schuhwerk. Der Abstieg war auch eine nicht ganz ungefährliche Rutschpartie.

Zwei Tage später bin ich wieder in die selbe Richtung gelaufen, diesmal durch die recht eintönige Mondlandschaft um den Montana Tinaguache herum. Keine Menschenseele weit und breit, wenn man sich hier hinlegt (Geröll) ist man erstmal verloren. Ich mag solche Gegenden, dann ist das Laufen wie meditieren.

Wanderung am Atlantik entlang

Einen weiteren Tag bin ich von Costa Teguise in Richtung der kleinen Wohnsiedlung Los Ancones gewandert. Die Strecke führt entlang der Strandpromenade zu einem wirklich schönen Wanderweg entlang des Atlantik.

Nach wenigen Kilometern führen kleine Wege (den weißen und blauen Punkten folgen) entlang der Klippen von wo man einen tollen Ausblick auf den Ozean bekommt. Wer will kann natürlich auch noch unzählige Kilometer weiter wandern, aber der steinige Untergrund ist nicht zu unterschätzen.

 

Die Erkenntnis

 

 

Meine ruhigen Tage habe ich damit verbracht einen Café con leche in einem Straßencafe oder ein Bierchen am Strand zu trinken. Ich war jeden Abend der einzige Gast im Hotelrestaurant, die Küche hat nur für mich gekocht und Diego (quasi mein Kellner aus Kolumbien) hat mir nach dem Essen immer einen kanarischen Schnaps (Rum mit Honig) aufs Haus eingeschenkt. Die Gläser wurden von Mal zu Mal immer voller und einmal hatte ich auch richtig einen sitzen.

Oftmals sind die spontanen Entscheidungen die richtigen. Beim Wandern, Radfahren, Laufen und herumlungern an der Strandpromenade konnte ich abschalten und mal wieder zu mir selber kommen. Mir ist schnell klar geworden, dass…

1. ich selber immer wieder darüber erstaunt bin wie schnell ich mich an fremde Umgebungen anpassen kann. Es dauert bei mir keinen Tag und ich fühle mich so als wäre ich schon Wochen, wenn nicht Monate vor Ort. Ich bin kein Heimscheisser, Reisen macht mich wirklich glücklich.

2. dieses ganze gesellschaftliche 08-15-Korsett im goldenen Käfig mit seinen Verpflichtungen und Erwartungen nichts für mich ist. 

3. ich auf Dauer nicht mehr in mein altes Leben zurück will. Kleine Grundsteine habe ich schon gelegt und die gilt es dieses Jahr endgültig umzusetzen.

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